Normalerweise schreibe ich über Schnitte und Föhntechnik, aber Handarbeit habe ich nie ganz abgelegt – meine Mutter war Damenschneiderin, und Garn zwischen den Fingern fühlt sich für mich an wie nach Hause kommen. Diese Granny Square Tasche mit Herzmotiv häkeln viele nach, weil das Muster einfach genug für geübte Anfängerinnen ist und trotzdem etwas hermacht. Ich zeige dir hier genau die neun Schritte, die ich selbst am Küchentisch fotografiert habe, samt der Stellen, an denen ich beim ersten Mal zu ungeduldig war.
Der Anfang: Werkzeug bereitlegen und der erste Ring

Auf dem Tisch liegen zwei Knäuel Baumwollgarn – ein warmes Creme und ein tiefes Oliv – dazu Häkelnadel, kleine Schere und Wollnadel für später. Cotton statt Wolle, weil eine Tasche später etwas aushalten muss und Baumwolle formstabiler bleibt als Merino, das mit der Zeit ausleiert.
Ich starte mit einem magischen Ring in Oliv, weil das Herzmotiv das eigentliche Kernstück dieser Tasche ist. Die ersten Maschen legst du locker in den Ring, ziehst ihn danach fest zusammen – so bleibt in der Mitte kein Loch, was bei so einem kleinen Motiv sofort auffallen würde.
- Garnstärke: mittlere Lauflänge, etwa 125 m auf 50 g
- Nadelgröße: 3,5 mm, damit die Maschen dicht genug für eine Tasche werden
- Marker: bunte Ringe helfen dir, den Rundenanfang nicht zu verlieren
Das Herz wächst: Rundenweise Zunahme

In der zweiten Runde nimmst du an den richtigen Stellen zu, damit aus dem Kreis langsam die charakteristische Einbuchtung oben und die Spitze unten entstehen. Auf dem Foto siehst du, wie das Oliv schon die typische Herzform zeigt, noch nicht ganz geschlossen, aber die Richtung stimmt.
Häkle nicht zu fest hier – gerade am Übergang zur Spitze braucht das Herz etwas Spannung, sonst wird die Form eckig statt rund. Am Ende soll ein kleines, gleichmäßiges Herz entstehen, ungefähr so groß wie eine Zwei-Euro-Münze mal drei.
Ein Detail, das ich anfangs übersehen habe: Die Fadenenden schon jetzt kurz sichern, nicht erst ganz am Schluss der Tasche. Später verschwinden sie ohnehin unter der Creme-Umrandung.
Farbwechsel: Mit Creme das Quadrat rahmen

Sobald das Herz fertig ist, wechselst du zu Creme und häkelst die erste Runde außen herum – das Foto zeigt genau diesen Moment, in dem sich Oliv und Creme zum ersten Mal berühren. Wichtig sind die vier Ecken: Dort häkelst du jeweils mehrere Luftmaschen zusammen mit den Stäbchen, damit sich die runde Herzform in ein eckiges Quadrat verwandelt.
Warum die Ecken entscheidend sind
Ohne genug Luftmaschen an den Ecken zieht sich das Quadrat schüsselartig zusammen statt flach zu liegen. Zähl lieber einmal mehr nach, bevor du weiterarbeitest – das spart dir das Auftrennen später.
Das erste Granny Square: Größe und Fadenvernähen

Jetzt geht es nur noch ums Wachsen: Runde für Runde in Creme, bis das Quadrat die Größe erreicht, die du für deine Tasche brauchst. Auf dem Bild siehst du das fertige erste Granny Square mit dem Herz mittig – die kleinen Zwischenräume an den Kanten sind gewollt, sie gehören zum klassischen Granny-Square-Muster.
Ein Fehler, den ich in meinem allerersten Versuch gemacht habe: Ich habe die Fadenspannung von Runde zu Runde verändert, weil ich zwischendurch Pause gemacht hatte. Das Ergebnis war ein Quadrat, das leicht schief lag. Seitdem häkle ich jede Runde eines Motivs möglichst am Stück fertig.
Vernähe die Fäden sorgfältig auf der Rückseite, bevor du das Quadrat beiseitelegst – bei mehreren Motiven verlierst du sonst schnell den Überblick, welches schon fertig ist.
Wiederholen mit Geduld: die weiteren Herz-Quadrate

Für eine Tasche in dieser Größe brauchst du am Ende deutlich mehr als ein Motiv – bei meiner Version waren es vierzehn Herz-Quadrate, sechs davon siehst du hier schon fertig aufgereiht. Die eigentliche Arbeit liegt jetzt nicht im Können, sondern in der Gleichmäßigkeit.
Achte darauf, dass:
- jede Runde mit der gleichen Maschenzahl beginnt und endet
- die Herzfarbe immer im selben Farbton bleibt, falls du aus zwei Knäueln Oliv arbeitest
- die Kantenlänge bei jedem Quadrat mit dem Lineal geprüft wird, nicht nur nach Augenmaß
Ich häkle diese Wiederholungsphase am liebsten samstagvormittags, wenn ich vom Markt zurück bin und noch nichts anderes ansteht – gleichmäßige Handarbeit braucht Ruhe, keine Eile.
Die Fläche entsteht: Quadrate auslegen und verbinden

Wenn alle Quadrate fertig sind, legst du sie erst einmal aus, bevor eine einzige Naht entsteht – auf dem Foto siehst du meine Anordnung für Vorder- und Rückseite oben, Boden und Seitenteile unten. Diese Planungsphase überspringen viele, und genau das rächt sich später, wenn Herzen plötzlich falsch herum zueinander stehen.
Verbunden wird mit cremefarbenem Garn, entweder mit Kettmaschen von außen sichtbar oder unsichtbar von innen vernäht. Ich bevorzuge die sichtbare Variante, weil die Verbindungslinie zwischen den Quadraten optisch wie ein zusätzliches Rasterelement wirkt und zum Granny-Square-Charakter passt.
Vom Flachen zur Form: der Taschenkörper

Aus der flachen Fläche wird jetzt tatsächlich eine Tasche – das Bild zeigt den Moment, in dem die verbundenen Quadrate hochgeklappt sind und die offene Grundform schon erkennbar ist. Seiten und Boden werden an den restlichen Kanten zusammengehäkelt, sodass ein stabiler Korpus entsteht.
Diese offene Box-Form vor dem Zusammennähen wirkt seltsam, fast wie ein Papierkorb aus Wolle, aber genau das ist der Sinn: Du siehst noch, wo jede Naht sitzt, und kannst korrigieren, bevor alles fest verbunden ist.
Der letzte Schliff: Abschlussrunde und Henkel

Die obere Kante bekommt eine saubere Abschlussrunde in Creme – ohne sie würden die Kanten der letzten Quadratreihe ausfransen und die Tasche wirkt schnell unfertig. Danach häkelst du zwei lange Streifen für die Henkel, auf dem Foto siehst du, wie stabil und gleichmäßig diese schon wirken, bevor sie festgenäht werden.
Sichere die Henkel an mehreren Punkten am Taschenkörper, nicht nur an zwei einzelnen Stellen. Eine gefüllte Tasche zieht sonst genau an diesen zwei Punkten, und die Naht gibt irgendwann nach.
Fertig: die Granny-Square-Tasche mit Herzmotiv

Am Ende liegt sie fertig auf dem Tisch: neun sichtbare Herzen in Reih und Glied, cremefarben gerahmt, mit zwei kräftigen Henkeln. Das fertige Foto zeigt genau die Balance, um die es die ganze Zeit ging – gleichmäßige Quadrate, ein ruhiges Farbschema, keine schiefen Ecken.
Baumwolle verträgt eine vorsichtige Handwäsche gut, das würde ich bei Wolle nie empfehlen. Für den Alltag reicht diese Tasche für Einkäufe auf dem Markt oder als Handtasche für Wolle und Häkelnadel selbst – ein bisschen wie ein Werkzeugkasten für das nächste Projekt.
Diese Tasche hat bei mir länger gedauert, als ich am Anfang dachte, aber genau das macht sie am Ende wertvoll. Häkle sie in deinem eigenen Tempo, Runde für Runde, und du wirst am Schluss ein Stück in Händen halten, das nach Sorgfalt aussieht, weil es genau das war.

- Material
- Werkzeug

Was Leser oft fragen
Welche Garnstärke eignet sich am besten für diese Tasche?
Ich arbeite mit Baumwollgarn mittlerer Stärke, etwa 125 Meter auf 50 Gramm, und einer 3,5 mm Nadel – dünneres Garn macht die Tasche zu instabil, dickeres wirkt schnell klobig.
Wie viele Granny Squares brauche ich insgesamt?
Für meine Version waren es vierzehn Herz-Quadrate für Vorderseite, Rückseite, Seiten und Boden zusammen, die genaue Zahl hängt aber von deiner Wunschgröße ab.
Kann ich die Tasche waschen?
Ja, Baumwolle verträgt vorsichtige Handwäsche gut, das würde ich mit reiner Wolle nicht riskieren.
Ist das Muster auch für Häkel-Anfängerinnen geeignet?
Wenn du feste Maschen, Stäbchen und den magischen Ring schon kennst, ja – die Herausforderung liegt eher in der Geduld als in der Technik.




